Geschichte

100 JAHRE LEIDENSCHAFT FÜR DIE BLASMUSIK, DAS DORF UND DEN NACHWUCHS


Die Musikgesellschaft Gächlingen ist ein bunt gemischter, moderner Musikverein mit knapp 30 Mitgliedern im Alter von 18 bis fast 80 Jahre. Das Schöne am Verein ist für die Aktivmitglieder die gute Kameradschaft zwischen Jung und «Älter», was bei Auftritten, bei Arbeitseinsätzen und beim gemütlichen Beisammensein schnell erkennbar wird. Das Repertoire ist vielfältig und reicht von Polkas, traditionellen Märschen bis hin zu ganz aktuellen Arrangements und Filmmusik - es ist immer für jeden etwas dabei. Das Können präsentieren wir gerne an vielen kleineren und grösseren Konzerten in Gächlingen und der näheren und weiteren Umgebung sowie in der deutschen Nachbarschaft.

GÄCHLINGEN – EIN GUTER BODEN FÜR DIE BLASMUSIK
Bereits ab dem Jahr 1898 gab es im Dorf die Bürgermusik Gächlingen. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde der Verein dann aber wieder aufgelöst. Erst viel später, 1921, als ein Militärspiel im Dorf konzertierte, meinte Emil Rüedi zu Emil Müller: „Wa maanscht, wemmer en Musikverein gründe“ – „Ich bi sofort iiverstande“, entgegnete dieser und somit wurde am 12. Mai 1921 die heutige Musikgesellschaft Gächlingen gegründet. Die meisten Mitglieder waren kaum 20 Jahre alt. Die erste Zeit war nicht leicht, zumal das nötige Geld fehlte. Instrumente konnten teilweise von der früheren Bürgermusik übernommen werden. Einige Mitgründer stellten ihre Kräfte der Forstverwaltung zur Verfügung, um mit dem verdienten Geld Instrumente anzuschaffen. Doch bald nachdem das junge Korps die ersten Sorgen hinter sich hatte, meldeten sich auch schon neue. Nicht weniger als elf verschiedene musikalische Leiter lösten sich während den ersten vier Jahren ab. Im Jahre 1924 ist der junge Verein dem kantonalen Musikverband beigetreten und besuchte gleichzeitig das erste kantonale Musikfest in Stein am Rhein. Die finanziellen Schwierigkeiten dauerten weiter an und es war kaum mehr möglich, das Dirigentenhonorar zusammen zu bringen. Ein Idealist in der Person von Emil Rüedi, als eigentlicher Initiant der Wiedergeburt der Gächlinger Musik und inzwischen zum tüchtigen Militärtrompeter herangewachsen, wurde ab 1925 von seinen Kameraden als Dirigent verpflichtet, mit einem bescheidenen Jahresgehalt von 40 Franken. Dass die Dirigentenstelle damit für die nächsten 47 Jahre gelöst war, wusste niemand und es wurde Hürde um Hürde genommen, und die Musikgesellschaft strebte aufwärts.

HOCH UND TIEFS IN HERAUSFORDERNDEN ZEITEN
Im Jahr 1932 wurde erstmals ein kantonaler Musiktag im Dorf durchgeführt. Dieser brachte in allen Teilen einen grossen Erfolg und ermöglichte im Jahr 1933 die Anschaffung einer Uniform. Diese wurde anlässlich eines Gartenfestes eingeweiht. Im Spendenbrief an die Bevölkerung kann nachgelesen werden: „Wenn wir trotz der heutigen Krise, diesen schwerwiegenden Beschluss fassten, so liessen wir uns von der Erkenntnis leiten, dass es gerade in solchen schweren Zeiten doppelt nötig ist, das Ideale hoch zu halten und die Uniform ein Mittel dazu sei das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Disziplin im Verein zu stärken und zu vermehren.“

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Die Neuuniformierung brachte auch musikalische Erfolge. Von zwei ausserkantonalen Musikfesten kehrte der Verein lorbeergeschmückt nach Hause. Der zweite Weltkrieg war natürlich auch für das Vereinsleben nicht leicht da viele Mitglieder Aktivdienst leisteten und selten zur Probe erscheinen konnten. Nach dem Krieg erlebte die Blasmusik im Dorf einen neuen Aufschwung und schon 1947 erhielten die Musikanten zum zweiten Mal die Aufgabe, den Musiktag durchzuführen. Die Ziele des Vereins wurden höhergesteckt und die MGG nahm an verschiedenen Musikfesten im In- und Ausland teil. Daraus entstand auch die musikalische Verbundenheit zur Stadtkapelle Wasserburg am Inn (Oberbayern). Diese spielte 1961 mit 80 Musikanten in Gächlingen anlässlich der Uniformenweihe auf. Dank der grosszügigen Unterstützung der Bevölkerung und der Gemeinde konnte die zweifarbige weinrot-graue Uniform angeschafft werden.
 

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Ein Vereinsbanner fehlte der Musikgesellschaft Gächlingen bis dahin. Im Jahr 1962 wurde anlässlich des dritten kantonalen Musiktags die erste Vereinsfahne mit allen Ehren geweiht. Das vom damaligen Präsidenten entworfene Sujet ziert heute noch das Vereinsbanner und begleitet die Musikgesellschaft in schönen aber auch schwierigeren Momenten.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Musikgesellschaft Gächlingen schon einige Goldlorbeeren in Empfang nehmen, so auch am Berner Kantonal-Musikfest mit Hans Möckels Komposition „Die Reiter von Saignelégier“. Ein weiterer Höhepunkt war das 50-Jahr-Vereinsjubiläum im Jahr 1971, damals übergab Ehrendirigent Emil Rüedi den Taktstock an seinen Sohn.


Zwischen 1972 und dem Jahr 1999 hat die Musikgesellschaft Gächlingen jedes Jahr die Zunft zur Meisen als Zunftspiel am Zürcher Sechseläuten begleitet. In schmucken, historischen Uniformen wurde das Fest in Zürich musikalisch umrahmt und viele Musikanten könnten noch heute Episoden und Erlebnisse vom jährlichen Event in Zürich berichten.
 

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1978 wurde schon der vierte Kantonal-Musiktag in Gächlingen durchgeführt. Mit diesem Fest wurde auch die unverwechselbare grüne Uniform eingeweiht. Im Dezember 1981 übergaben die Gächlinger Musikanten als erster Verein im Kanton Schaffhausen die Direktion einer Frau. Anita Heller-Götze führte die Musikbegeisterten zielstrebig und mit viel Ausdauer.

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Der nächste Meilenstein in der Vereinsgeschichte war 1996. In diesem Jahr durfte der Verein das 75 jährige Bestehen feiern und organisierte zusammen mit dem gemischten Chor den Schaffhauser Sängertag sowie den Kantonal-Musiktag mit Neuinformierung. Die viola Uniform begeisterte Musikanten und Dorfbevölkerung.

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NEUES ZUM JAHRTAUSENDWECHSEL
1999 übernahm Max Hell die Direktion. Unter seiner fachkundigen Leitung wagte sich der Verein erstmals bei den Marschmusikparaden an Evolutionen, die beim Publikum begeistert aufgenommen wurden. Im Jahr 2005 hat unser damaliger Vizedirigent und aktives Mitglied, Bruno Züst, den Taktstock übernommen und diesen erst 2015 wieder abgegeben. Im Jahr 2007 hat die Musikgesellschaft Gächlingen zusammen mit der Musikgesellschaft Löhningen bereits den sechsten Kantonal Musiktag in Gächlingen erfolgreich durchgeführt.
Nachdem um die Jahrtausendwende herum der Mitgliederbestand auf ca. 20 Aktive gesunken ist, ist dieser dank der Ausbildung in der Blasmusikschule Klettgau-Neuhausen mit jungen Musikantinnen und Musikanten, aber auch mit Eintritten von arrivierten Bläserinnen und Bläsern aus der Region wieder auf 30 Personen angewachsen. Die Förderung des Nachwuchses ist der MGG nach wie vor ein grosses Anliegen. Deshalb arbeiten die verschiedenen Musikvereine im Klettgau eng mit der Musikschule Schaffhausen MKS zusammen. In Einzelunterricht und beim gemeinsamen Spiel in der Gruppe werden die Jugendlichen auf das Mitspiel im Verein vorbereitet. Ab 2015 haben verschiedene musikalische Leiter, in Ergänzung zu Vizedirigent Christian Salvisberg, teilweise ad-interim die Musikgesellschaft Gächlingen durch Proben und Auftritte geführt.

DAS 100. VEREINSJAHR – FLEXIBILITÄT IST NÖTIG
Das Jahr 2020 war auch bei der Musikgesellschaft Gächlingen geprägt von der Corona-Pandemie. Anfangs März hat noch das traditionelle Chränzli zum Thema „Nid ganz 100“ stattgefunden und das Publikum begeistert. Eine Woche später wurde es still in der Schweiz und im Blasmusikwesen. Während dem Sommer konnte der Probebetrieb wieder aufgenommen werden und es gelang der MGG anlässlich des Blasmusikabends im Herbst mit zwei Gastkapellen das Publikum in dieser schwierigen Zeit aufzuheitern. Bald darauf wurde es wieder still. Sehr lange – bis im Juni erlaubten die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie keinen geregelten Probebetrieb. Im Juni hat die MGG unter der Leitung von Remo Arpagaus wieder mit wöchentlichen Musikproben gestartet.
Wer die Musikgesellschaft Gächlingen kennt, weiss, dass der 100. Geburtstag ein rauschendes Fest wert gewesen wäre. Der geplante Musiktag musste leider abgesagt werden. Ein neues Kleid sollte es trotzdem geben zum Geburtstag. Es wurde bestellt, probiert und geliefert. Es war für die Musikgesellschaft Gächlingen das Highlight des Jubiläumsjahres, dass es am Samstag vor dem Herbstfest möglich war, das neue Kleid zu präsentieren.

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Der Kreis schliesst sich – die Anschaffung der ersten Uniform fiel in eine schwierige Zeit und sollte den Verein stärken. Auch die Anschaffung der vierten Uniform fiel nicht in eine leichte Zeit und wurde wie 1933 im kleinen Rahmen eingeweiht. Möge die neue Uniform wie damals, einen neuen Aufschwung nach herausfordernden Zeiten bringen.
100 Jahre Höhen und Tiefen, Freud und Leid. Herzlichen Dank für alles Wohlwollen! Die MGG freut sich, weiterhin Jung und Alt mit ihrem Spiel zu begeistern und Fröhlichkeit zu verbreiten!

 


Quellenverzeichnis:


Buch 75 Jahre Schaffhauser Kantonal-Musikverband

Buch der Gemeinde Gächlingen, Hans Reich

Zeitungsbeilage des Schleitheimer Boten „75 Jahre Musikgesellschaft Gächlingen

“Privatarchiv Familie Weber-Brühlmann-Vögeli

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